Rule Britannia!

rule the waves

Auch ich weiß natürlich nicht, welche konkreten Auswirkungen der britische Mut auf die Bluefaced Leicester-Zucht in Deutschland haben wird, ob und wie Importe von Zuchtmaterial zukünftig möglich sein werden. Schwieriger als es jetzt ist, kann es aber kaum werden.

Zumindest führt der Austritt dazu, daß unsere Blufaced Leicester Schafe nun die ersten ihrer Art in der EU sind.  

Danke Britannia!  I'm proud of you! Britons never, never, never shall be slaves!

Kraftfutter und Mais

Schaffutter

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich unseren Schafen Kraftfutter oder leistungssteigernde Zusätze füttere. Deshalb hier die ganz klare und ehrliche Antwort:

 

Ja, einen ganzen Sack voll

pro Jahr und Schaf oder fast 66g am Tag 

 

Im Moment erhalten unsere säugenden Mutterschafe, die Vorjahreslämmer und die Lämmer zusammen täglich 1.250g einer Mischung aus

50% Schafkraftfutter Marke "Gormü" oder Havens und
50% Mais ganz, gereingt

Diese Menge teilen sich mehr oder weniger gerecht 19 Mäuler. Und das alles nur, damit ich die Schafe beobachten, locken und kontrollieren kann. Signifikant für die Ernährung ist diese Menge aus meiner Sicht nicht. (Aus der Sicht unser Schafe allerdings schon.) 

Die Drillingslämmer erhalten zur Schonung der Mutter eine Zufütterung von je 500ml Milchmischung mit abgestimmtem Fettgehalt einmal täglich. 

Vor der Bedeckung gibt es für die Mutterschafe zusätzlich täglich gehackte Möhren in Kleie.

BASU-Mineralfutter steht immer zur freien Aufnahme zur Verfügung.

 

Unsere Bluefaced Leicester sollen ohne Zufütterung auf Grasland klar kommen und ich möchte keine Tageszunahmen und Endgewichte durch Kraftfuttergaben dopen. Ich will auch keinem Fleischer Kraftfutter im Schaffell verkaufen und Arbeit beim Füttern will ich auch nicht haben.

 

Unsere Lämmer kriegen, was Mutter und Mutter Natur liefern. Sonst nichts. (... und Liebe natürlich, ad libitum.)

shearing sheep

longblow

Schafe scheren ist gleich nach der Lammzeit eine meiner liebsten Tätigkeiten.

In den ersten warmen Tagen im Mai oder auch schon Ende April steht sie an. Es soll gutes Wetter haben danach und es muß noch einige Wollwachstage geben bis zur Schafskälte Anfang Juni, damit sich die nun nackten Schafe an den Temperatureinbruch gewöhnen können. Weil alle Schäfer zur selben Zeit scheren wollen und alle Schafscherer dann natürlich eingespannt sind und weil sich Bluefaced Leicester nun wirklich besonders leicht scheren lassen, schere ich die auch gleich selbst.

 

It's tupping time

müde - danach

Tupping time ist die Zeit des Jahres, in der der Bock (engl. ram oder tup) bei den Auen (eng. ewes) steht und für Nachwuchs sorgt.

Wenn die Tage kürzer werden und die Schafe weniger Sonnenlicht bekommen und zudem die Nähe eines Bockes spüren, geraten sie in Brunst und haben dann etwa alle 17 Tage einen Eisprung. Danach (eigentlich von kurz davor bis kurz danach) sind sie ungefähr 30 Stunden aufnahmefähig, können also schwanger werden. Die Böcke können diese Zeit am Geruch des Urins der Schafe sehr präzise erkennen und erfahrene machen sich die Mühe des Aufspringens nur, wenn sie sicher sind, daß es sich auch lohnt. Sie sparen Ressourcen und so gelingt es ihnen innerhalb eines Zyklus um die 60 Mutterschafe trächtig zu kriegen. Zur Sicherheit läßt man die Böcke dennoch etwa einen Monat bei der Herde. Die Böcke nehmen in großen Beständen während des tupping an Körpergewicht deutlich ab, denn sie haben kaum Zeit zum Fressen und ruhigen Wiederkäuen. 

 

hollywood

Bei uns ist das anders. Craig yr Orsedd muß (oder kann oder darf) sich jeweils nur um 2 Mutterschafe oder Zutreter (mindestens einjährige Schafe die noch nie gelammt haben, aber lammen sollen, engl. gimmer oder shearling) kümmern. Er magert nicht ab. Dennoch sorgen wir dafür, daß er den Job in Top-Kondition beginnt. Auch die Schafe werden vorbereitet. Schon im August wird ihre Scham (engl. crutch) und die Schwanzseiten sauber geschoren. Beim crutching fällt keine oder allenfalls verschmutzte oder kurze Wolle an. Diese Teilschur dient der Hygiene beim tupping. Im Winter ist diese Wolle schon wieder nachgewachsen. Bluefaced Leicester haben in diesem Bereich ohnehin nur ein eher kurzes Fell - sehr sauber und scherfreundlich.

153 Tage später soll dann die Lammung stattfinden. Bei uns wäre das frühestens der 26.03.2016 für Cindy und Folly und der 22.04.2016 für die Schafe die nur 16 und 17 heißen, weil sie sich als Vollgeschwister so ähnlich sehen.

Arbeiten mit Profis

Bertram Bölkow

Bertram Bölkow fotografierte für einen Kunden unsere Schafe. Im Stall und auf den Weiden. Trotz fürchterlichen Novemberwetters mit Niesel und feuchter Wolle, trotz Wind und ständiger Lichtwechsel sind sehr professionelle Fotos entstanden. (... die natürlich nicht rechtefrei sind. Deshalb darf ich hier nur einige Vorgucker liefern.) Cindy wird den Titel eines Kalenders zieren und vermutlich wird ein Gruppenbild der November - passend! Wenn man überlegt, wie lange und mit wieviel Aufwand wir Schafe, Objektive, Blitz- und Kamerastative im Nieselwind gehütet und nach immer neuen Einstellungen gesucht haben, erinnert das schon sehr an den Schafimport. So viel Aufwand und so viel Irrwege, bis es dann da ist, das Titelbild.    

Besuch bei Martens

Mules in Deutschland

Schäfer Martens

Nach dem unsere Schafe Top-Thema der Bauernzeitung waren, meldete sich Jochen Martens aus Kühsen. Er hält neben Schnucken und Schwarzköpfen auch Scottish Blackface. Wie im Norde des Vereinigten Königreichs üblich, hat er vor, auch in Norddeutschland Scotch-Mules zu ziehen und dafür Samen von Craig yr Orsedd und später von uns gezogene Böcke einzusetzen. Ich besuchte ihn und war von seiner Herde und seinen Hunden begeistert. Auf eine Zusammenarbeit mit ihm freue ich mich. Der Kontakt ist nicht nur hergestellt, es gibt bereits konkrete Pläne und wieder einen deutschen Berufsschäfer mehr, der Bluefaced Leicester auf einer robusten Herde einsetzen wird, um perfekte Mutterschafe mit hervorragender Wolle zu ziehen.

Bauernzeitung berichtet

Bauernzeitung

Auch die Bauernzeitung nimmt sich unserer Schafe an und berichtet auf zwei Seiten. Sogar ein Topthema waren ihr unser Bluefaced Leicester und die Lämmer dieses Jahres wert.

An zwei Tagen besuchten uns Redakteur und Fotografin.

Den ganzen Artikel finden sie hier.

Bandwürmer

Proglottiden

Im September fand ich Bandwurmglieder auf einem Kothaufen der Lämmer.

Moniezia expansa

Ein Ei von Moniezia expansa

Aus einer Sammelprobe konnte ich per Flotation Eier von Moniezia expansa ausschwemmen und unterm Apfelbaum durchs Mikroskop fotografieren. Ich finde, es ist auch ohne Aufsatzkamera ganz gut getroffen und vor allem gut erkennbar. Im Innern einer kugeligen Hülle befindet sich eine Struktur, die einem mit 3 Fingern festghaltenen Bollon gleicht. Im Anschnitt durch das Durchlichtmikroskop sieht dieser Inhalt dann fast dreieckig aus. Und eigentlich ganz faszinierend. Es lohnt sich in jedem Fall, bei den Schafen mal danach zu suchen! Am Besten alle paar Wochen.

Alles über Bandwürmer und die durch sie verursachte Krankheit Monieziose, ob und wie sie behandelt wird, kann man in der Doktorarbeit von Philip Christian Tegtmeyer finden. Das Mittel der Wahl ist Cestocur von Bayer.

AGRA 2015

Ausstellung Bluefaced Leicester auf der AGRA

Die ersten Bluefaced Leicester in Deutschland sind alleine schon was Besonderes. Sie ist aber eben auch eine Schwester des Carlisle Champions 2012 und zeigte sich noch nicht voll ausgewachsen in der Shearlingswolle.

Ihre Abstammung von Cassington "Elite Plus" 1257/C001 (cassington.com) sieht man ihr an.

Nach viel Aufregung im Vorfeld mit wochenlangen sanften Übungen zu Leinenführigkeit, Enge und vielen Besuchern im Stall (zum Abhärten gegen den Messestreß, aber auch zu notwendigen Gesundheitsuntersuchungen), reisten wir am Mittwoch abend mit den 4 Schönheiten an. Der Auftrieb erfolgte ganz problemlos und die zu niedrigen Hürden um die Box konnten binnen Minuten gegen höhere ausgetauscht werden. Die Unterstützung des Sächischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes war für uns Tierschau-Neulinge eine große Hilfe. Es fiel uns zwar schwer die Schafe über Nacht in der Halle zu lassen, die Tiere genossen jedoch die endlich eintretende Ruhe. Messe ist und bleibt Streß. Insbesondere, wenn die Ferche von allen Seiten zugänglich sind. Dank der Vorbereitung durch Andrea Braun vom Alpakahof Quesitz (alpakahof-quesitz.de) und ihrer vielen Hinweise, wußten wir jedoch in etwa, was unsere Schafe erwarten würde. Vom gewaltigen Besucherandrang und der Heiserkeit unserer Stimmen - schon am zweiten Messetag - ahnten wir allerdings noch nichts.

Hilly machte sich ganz modellhaft hervorragend auf dem Laufsteg der Tierschau. Sie war der Hingucker und löste jedesmal Blitzlichtgewitter aus, wenn sie von Frau Dr. Regina Walther vorgestellt wurde.

Sie und Craig yr Orsedd G014 waren der Bauernzeitung (www.bauernzeitung.de) eine Erwähnung wert. Eine längere Vorstellung der Rasse und der Tiere in Deutschland wird dort folgen.

Inzwischen sind alle ausgestellten Schafe wieder gesund zurück im heimischen Stall, beim Rest der Herde. Sie wurden geschoren und lassen sich nun ganz schnell bis zur Schafskälte wieder Wolle wachsen.

Das erste Lamm gibt es auch: (Link)

Vater: Craig yr Orsedd UK70489900955 3363/G014
Sohn von Arkleby "Elite Plus" 3865/B001
Enkel von Scrainwood "Elite Plus" 3151/T029
1A Preis AGRA 2015

Mutter: Long Mynd UK30859800229 3570/G017
Tochter von Cassington "Elite Plus" 1257/C001
Enkelin von Myfyrian "Elite Plus" 1183/B010
Schwester von 3570/E003 Carlisle Champion 2012

Bluefaced Leicester Lamm geboren

Am 15.05.2015 wurde das erste Deutsche Bluefaced Leicester Lamm geboren. Es besteht im Wesentlichen aus Ohren und ist fit.